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Newsletter vom 15.06.2015

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Inhalt

Zum Nachdenken Psychologie Psychologie Gesundheit

Grüezi

Seit kurzem wurde mir die Möglichkeit geboten, an einem anspruchsvollen Projekt im Zusammenhang mit der (sozio-) genetischen Prädisposition¹ von Menschen mitzuarbeiten.

Bei dieser Arbeit liegt ein wesentlicher Aspekt beim Thema Achtsamkeit. Dabei geht es nicht um Achtsamkeit in der Natur oder im Umgang mit Menschen, es geht um Achtsamkeit bei der Betrachtung von Menschen. Im Menschen das wahre Potenzial zu erkennen, seine allenfalls für ihn unbekannten Möglichkeiten, aber auch die ihn begleitenden Hindernisse aufzuzeigen.

Achtsamkeit ist nicht einfach zu leben. Es bedingt immer und immer wieder entsprechende Übung. Zu schnelllebig ist unsere Zeit, als dass sie uns im täglichen Leben die Möglichkeit bietet, immerzu achtsam zu sein und trotzdem verbessert gelebte Achtsamkeit unsere Lebensqualität.

Ich wünsche Ihnen eine schöne und sonnige Sommerzeit und einen schönen Tag – jeden Tag, bis zum nächsten Brief im September 2015.

Robert Gruber


¹ Unter der genetischen Prädisposition versteht man die genetisch, d. h. erblich bedingte Anlage bzw. Empfänglichkeit für bestimmte Erkrankungen oder (bei sozio ...) Entwicklungen eines Menschen.



Zum Nachdenken

Über die Achtsamkeit

Ich gebe zu, ich nahm mir nicht jeden Rat der älteren Generation zu Herzen. Aber ...

in dieser Zeit ist es angebracht, nach rechts und links zu schauen, bevor man die Strassenseite wechselt!



Psychologie

Die Sprache der 43 Muskeln

Mit Newsletter vom 15.12.2013 habe ich zum ersten Mal Dr. Paul Ekman² erwähnt. Das damalige Thema handelte sich um Lügen. In diesem Beitrag geht es nicht mehr ums Lügen, sondern um die wichtigsten Mienenspiele.

93 % unserer Kommunikation sind nonverbal. Wir können 3'000 verschiedene Gesichtsausdrücke, die wir mit 43 verschiedenen Muskeln erzeugen, mit bestimmten Emotionen verbinden. Paul Ekman fand heraus, dass Gefühle überall auf der Welt gleich ausgedrückt werden. Daraus leitete er die sieben Grund-Emotionen des menschlichen Gesichts ab:

Freude, Trauer, Ekel, Wut, Überraschung Angst und Verachtung. Aber die Fläche zwischen Kinn und Stirn birgt noch viel mehr Informationen: Mikroausdrücke. Das sind ultrakurze Kontraktionen bestimmter Gesichtsmuskeln; sie sind Lecks im Schutzwall unseres Gesichts, durch die unsere wahren Gefühle hindurchsickern. Wer sie erkennt weiss, wenn jemand etwas zu verbergen hat.

Mikroexpressionen können willentlich nur schwer unterdrückt werden. Menschen, die gute Beobachter sind, können Lügner anhand von Mikroexpressionen entlarven auch lassen sich Zeitlupenaufnahmen des Gesichts verwenden. Laut Gehirnforscher Wolf Singer können Menschen, die in Meditation geschult sind, Mikroexpressionen besonders gut erkennen³.

Eine etwa daumendicke Schicht aus 43 Muskeln sitzt an der Vorderseite unseres Schädels. Allein den Unterkiefer können wir auf und ab bewegen, ansonsten verfügt unser Kopf keinerlei Gelenke. Und doch arbeiten die Gesichtsmuskeln nonstop und senden im Zusammenspiel subtile Signale aus.

Unser Gesicht hat je nach Grösse eine Fläche von 300 bis 500 Quadratzentimetern. Auf dieser Fläche spielt sich unser ganzes Leben ab jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Absicht hinterlässt hier Spuren. Einige davon sind unübersehbar, andere nur schwer zu entziffern. Doch wer in Gesichtern lesen kann, wird selbst versteckte Absichten eines Menschen erkennen können. Er bekommt hier Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: "Was denkt sie wirklich von mir?", "Welche Chance hat die Forderung nach einer Gehaltserhöhung bei meinem Chef?", "Meint er es ehrlich?"

Ein halber Quadratmeter Gesichtsfläche ist kein grosses Areal. Dabei gehört die Stirn, streng anatomisch gesehen, gar nicht zum Gesicht, sondern zum Schädelknochen. Aber für unsere Mimik hat sie eine grosse Bedeutung: Plötzlich auftretende Falten, ob waagrecht oder senkrecht, durchziehen sie und geben zuverlässig unsere geheimsten Gefühle preis. Weiter unten verraten unsere Augen und die Muskeln, die sie umgeben, ob wir ehrlich sind oder gerade jemandem ein durch und durch falsches Lächeln schenken. Dann ist da die Nase, die wir durch die Kontraktion des Nasenheber-Muskels nach oben ziehen und damit tiefsten Abscheu ausdrücken können. Und unserem Mund schreiben Wissenschaftler gleich Dutzende verschiedene Ausdrücke, vom Lächeln über Verachtung bis hin zum Weinen zu, ohne dass wir auch nur ein Wort sprechen müssen.

Das Gesicht eines Menschen verändert sich ständig: Insgesamt 43 Muskeln sorgen dafür, dass es, so klein es auch sein mag, zu unseren beweglichsten und verräterischsten Körperteilen gehört. 46 Einzelbewegungen kann es vollführen, die, immer wieder neu kombiniert, 10'000 verschiedene Gesichtsausdrücke ergeben, von denen nur 3'000 für uns eine emotionale Signalwirkung haben. Zumindest theoretisch. Sicher: Die grundlegenden Gefühle, die ein Gesicht widerspiegelt Angst, Trauer, Verachtung, Ekel, Überraschung, Wut und Freude , können die meisten von uns identifizieren. Doch wenn es darum geht, verborgene Emotionen zu erkennen, versagen wir leicht.

Das bestätigt und der US-Psychologe Paul Ekman: "Den meisten Menschen gelingt es nicht, Lügen im Gesicht eines anderen zu entdecken, weil sie die empfundenen von den gefälschten Gesichtszügen nicht unterscheiden können." Und warum nicht? Weil der Mensch an sich vertrauensselig und genügsam ist. Bereits als Kind reicht uns ein Lächeln, damit wir unser Gegenüber ganz zweifelsfrei unter die Rubrik "ehrlich" und "wohlgesonnen" einordnen.

Diese frühkindliche Prägung sorgt dafür, dass wir ein Leben lang immer wieder auf Unwahrheiten, kleine Schwindeleien und geheuchelte Gefühle hereinfallen, wenn sie mit einem Lächeln serviert werden.

² Paul Ekman [*15. Februar 1934 in Washington D. C.] ist ein US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe, der besonders für seine Forschungen zur nonverbalen Kommunikation bekannt wurde. Er ist weltweit führend auf dem Gebiet der Gesichtsforschung. Er entdeckte u. a. die Mikroausdrücke, die Gefühle entlarven.

³ Quelle: Wikipedia/Mikroexpressionen



Psychologie

FACS – Facial Action Coding System

Das 1978 zuerst publizierte Facial Action Coding System⁴ (FACS, engl. für Gesichtsbewegungs-Kodierungssystem) ist ein unter Psychologen weltweit verbreitetes Kodierungsverfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken.

Paul Ekman klassifizierte jede Aktion eines Gesichtsmuskels als sogenannte Action Unit (AU). Davon gibt es 46 verschiedene, zusätzlich zählen auch Bewegungen des Kopfes und der Pupille zu den Action Units. Kombinationen einzelner AUs ergeben Gesichtsausdrücke. Dreissig der AU sind direkt bei Emotionen beteiligt. Jetzt kommt es auf die Situation an: Sie erzählen jemandem etwas, und er zeigt AU 14, den sogenannten Dimpler (Mundwinkel straff, Wangen an die Zähne gepresst)? Das ist ein sicheres Zeichen für Spott und Herabsetzung. Sie erkennen AU 6 "Cheek Raiser" (Heben der Wangen), nachdem Sie jemandem einen Witz erzählt haben? Dann kam der gut an. Achten Sie auf die Gesichtsmuskulatur!

Nachstehend eine Beschreibung einzelner Action Unit (AU). Weitere AU's mit den beteiligten Muskeln und entsprechender Bilder finden sie im Internet.

AU 4 "Brow Lowerer" (Zusammenziehen der Augenbrauen) wird mit "Zeichen für Schlechte Stimmung" umschrieben. Der Brow Lowerer (auch als Muskel des physischen und psychischen Schmerzes bezeichnet) drückt Verzweiflung, Ungeduld, Wut und Missmut aus. Er ist auch Bestandteil anderer Ausdrücke wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Anstrengung. Er ist leicht zu faken (fälschen).

AU 6 "Cheek Raiser (Heben der Wangen) wird mit "Happiness-Garantie" umschrieben. Höfliches oder echtes Lächeln? Kontrahieren die Muskeln um die Augen, sodass Krähenfüsse entstehen und die äusseren Teile der Augen leicht heruntergezogen werden, ist das ein Zeichen echter Freude. Das kann nur gefälscht werden, wenn man beim Lächeln an etwas Schönes denkt.

AU 7 "Lid Tightener" (Anspannen der Augenlider) wird umschrieben mit "Ich schau dir genau in die Augen!" Ein stechender Blick bedeutet: Hier nimmt jemand etwas ins Visier meist ein sicheres Zeichen für Zorn, besonders in Kombination mit dem Brow Lowerer (AU 14). Ohne kann er Zeichen von verhaltenem Zorn, Verstimmung oder Konzentration sein. Er ist schwer zu fälschen.

AU 14 "Dimpler" (Mundwinkel straff, Wangen an die Zähne gepresst) wird auch als "Fake smile mit Spott" umschrieben. Diese Bewegung lässt Grübchen entstehen, doch die angespannte Haltung verrät ein falsches Lächeln. Das ist eine böse Falle: Hier werden Verachtung und Vergnügen miteinander kombiniert.

AU 16 "Lower Lip Depressor" (Unterlippe geht nach unten), zeigt volle Aufmerksamkeit. Ein feiner Zwischenausdruck, der unbewusst passiert: Die Unterlippe ist angespannt. Hier verfolgt jemand etwas sehr aufmerksam und emotional. AU 16 kann Vorbote echter Traurigkeit sein, die nächste Stufe wäre eine zitternde Unterlippe.

AU 17 "Chin Raiser" (Kinn wird angehoben) oder: ich schaff das schon! Es ist ein deutliches Zeichen von Entschlossenheit und Konzentration. Manche Menschen setzen diese AU gewohnheitsmässig auf, wie etwa Ex-US-Präsident Bill Clinton. Mit dem Anflug eines Lächelns bedeutet der Chin Raiser: Gute Miene zum bösen Spiel.

Das ist eine kleine Auswahl von 30 Emotion-Codes. Wenn wir bedenken, dass eine sich immer wiederholende, gewohnheitsmässige Mimik mit den Jahren auch die entsprechenden Falten hinterlässt, kann man auch sehen, dass mit dem Alter das Gesicht wie ein offenes Buch über die Wesenheit eines Menschen Auskunft gibt. Am besten sehen Sie dies an den Krähenfüssen, den feinen Lachfalten der Augen.

⁴ Quelle: Wikipedia/FACS Facial Action Coding System



Gesundheit

Zwei Minuten Gehen bringt schon was⁵

Bloss nicht sitzen bleiben: Wer von jeder Stunde im Sitzen nur zwei Minuten für leichte Aktivität wie langsames Gehen abzweigt, tut bereits enorm viel für seine Gesundheit. Das Risiko für einen verfrühten Tod sinkt dadurch schon um gut ein Drittel.

Ständiges Stillsitzen schadet der Gesundheit und das liegt nicht nur daran, dass typische "Schreibtischtäter" sich zu wenig bewegen. Selbst wenn wir zum Ausgleich Sport treiben, wirkt sich lange Arbeitszeit im Sitzen noch schädlich aus. US-amerikanische Richtlinien empfehlen mindestens zweieinhalb Stunden einer mittelmässig anstrengenden Beschäftigung pro Woche. Dazu gehören etwa langsames Radfahren, Tanzen, oder zügiges Spazierengehen, aber auch Haushaltstätigkeiten wie Gartenarbeit. Wer anstrengenderen Sport wie Fussball, Schwimmen, Joggen oder Kampfsport bevorzugt, dem reicht auch schon die Hälfte der empfohlenen Zeit als Ausgleich.

Wenig erforscht ist hingegen bislang, ob auch Bewegungen, die uns nicht anstrengen, wie langsames Gehen oder Stehen, einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Mediziner um Srinivasan Beddhu von der University of Utah haben darum Daten von über 3.500 Studienteilnehmern über einen Zeitraum von fast drei Jahren auf diesen Aspekt hin ausgewertet. Zu den Teilnehmern zählten sowohl gesunde Menschen als auch Patienten mit chronischem Nierenversagen. "Wir wollten wissen, ob eine kürzere Zeit von sitzender Tätigkeit bei höherer Zeit von kaum oder nur leicht anstrengenden Aktivitäten mit einer höheren Lebenserwartung zusammenhängt", erklärt Beddhu.

Die Daten zeigten, dass schon leichte Anstrengungen, wie etwa beim lockeren Gehen, einen beachtlichen Effekt zeigen: Bei den gesunden Studienteilnehmern sank das Todesrisiko im Beobachtungszeitraum im Schnitt um 33 Prozent, wenn sie zwei Minuten pro Stunde mit solchen Tätigkeiten verbrachten, anstatt zu Sitzen. Bei den Nierenpatienten waren es sogar 41 Prozent. Schwach anstrengende Aktivität wie blosses Stehen anstelle von Sitzen hatten dagegen keine Auswirkungen auf die Gesundheit.

⁵ Quelle: Clinical Journal of the American Society of Nephrology, 2015



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